Unsere Historie - EVANGELISCHE KIRCHE KUFSTEIN WÖRGL

Direkt zum Seiteninhalt

Unsere Historie

SERVICE

Historie

Die Geschichte der Evangelischen Pfarrgemeinde Kufstein
    
Seit der Gründung der Evangelischen Gemeinde in Kufstein bis heute hat sich viel getan. 1875 wurde die evangelische Pfarrgemeinde Innsbruck gegründet, welche die Gemeinde in Kufstein seelsorgerisch betreute. Im Jahr 1899 wurde Kufstein „Predigtstation“, 1900 erhielt Kufstein einen von der Stadt zur Verfügung gestellten Gottesdienstraum im ehemaligen Theatergebäude der Stadt. 1929 erwarb das Innsbrucker Presbyterium einen Baugrund in Kufstein, auf welchem schließlich 25 Jahre später die Johanneskirche und das Pfarrhaus entstanden – die feierliche Einweihung fand am 10. Oktober 1954 statt. In der „Predigtstation Wörgl“ durfte der Gottesdienst nach einigen Notlösungen nach 1945 in der Spitalskirche stattfinden, für die weiteren Gemeindeveranstaltungen musste man in die Bahnhofsretauration und für die Bibelkreise gar in das Wartezimmer eines Zahnarztes ausweichen.

    
Johann Stürtzer – einem Siebenbürger Flüchtlingspfarrer – gelang es nach dem 2. Weltkrieg die auch durch Flüchtlinge stark gewachsene Gemeinde im Unterland zu sammeln und mit der Errichtung der Kirche in Kufstein zur Selbst-ständigkeit zu führen. Es entstand die neue Muttergemeinde Kufstein (Bezirk Kufstein) mit der Tochtergemeinde Kitzbühel (Bezirk Kitzbühel). 1958 ging Pfarrer Stürtzer in den Ruhestand und Pfarrer Mag. Wolfgang Schmidt, späterer Superintendent der Diözese, setzte die Aufbauarbeit fort. Die Pfarrgemeinde Kitzbühel wurde 1967 selbstständig und – Dank der finanziellen Unterstützung der Gustav-Adolf-Hauptgruppe Hessen-Nassau, sowie vieler großer und kleiner Spenden von Mitgliedern der Gemeinde konnte im Jahr 1972 auch das Gemeindezentrum in der Wörgler Lahntalsiedlung errichtet werden.

 

Dr. Martin Luther und sein Bezug zu Kufstein

Briefwechsel mit einem Kufsteiner Bürger
Im Zuge der Veranstaltung "Feuereifer" am 14. Juni 2017 wurde auch ein Brief von Martin Luther an den Kufsteiner Bürger Martin Baumgartner vorgestellt. Es handelt sich dabei um die Antwort eines Anschreibens von Herrn Baumgartner an Luther, welches leider nicht mehr existiert, weshalb man auch den Grund für den Briefwechsel nicht mehr nachvollziehen kann. Doch für alle, die der Inhalt und die Art wie man vor 500 Jahren kommuniziert hat, interessiert gibt es den Text hier zum Nachlesen:

"Dem Gestrengen und Ehrnvesten, Martin Baumgartner, Ritteren, zum  Kopffstein, Meinem günstigen Herrn und Freund in Christo. Gnad und Fried  in Christo, gestrenger, Ehrnvester, Lieber Herr, Mir ist angezeigt euer  Anligen, so sich jetzt begibt, des Evangelii halben: hab auch euer  Schrifft gesehen, darinn ihr Trosts begert. Christus unser Herr, der in  euch sein Wort und Werck angefangen hat, wölle euch trösten und  stercken, durch seinen Geist, daß ihr leiden und thun möget den  allerbesten und liebsten Willen, Gottes seines vaters, Amen, und aber  Amen. Ihr wisset aber ohn Zweiffel, das unser Sache, so das Wort Christi  haben, nicht anderst stehen kan, denn daß wir fahr und Unglück drüber  leiden müßen: Es ist ein Wort des Creutzes, es bleibt auch ein Wort des  Creutzes. Aber S. Peter spricht: Es soll uns nicht frembde noch seltzam  dunkcen, ob uns eine solche Hitz widerfähret, weil es geschicht zur  Versuchung, ob wir mit Ernst oder nicht, das Wort haben angenommen. Es  ist allen Heiligen, und dem Haupt selbs aller Heiligen also gangen, wir  werdens nicht beßer haben müßen, wöllen wir anderst theilhafftig der  Gnaden und des Lebens mit Ime sein, haben Sie den Hauß-Vatter Beelzebub  genennet, wie vilmehr seine Hauß-Genossen? Solche und der Sprüche vil  können Euch trösten, welcher Ihr gar reichlich vil werdet finden im  Psalterio, den müßet Ir fleissig inn Händen haben, lesen, und üben. Uns  soll gnug sein, ob alle Menschen uns feind seind, daß Christus unser  Freund ist: der so hertzlich freundlich uns zuspricht: Kommet her zu mir  alle, die Ir mühselig und beladen seid, Ich will euch erqvicken: Nembt  mein Joch auff euch, und lernet von mir, denn ich bin sanfftmüthig und  demütig von Hertzen;: So werdet Ir Ruhe finden für eure Seele, denn mein  Joch ist leicht, und meine Last ist süße. Hiemit befelh ich euch Gott,  dem Vatter alles Trostes, und aller Stärcke Amen, Amen, 11 Septembris,  1528 Martinus Luther"
(aus: "Sämtliche Briefe (Vollständige Ausgabe): 323 Briefe in einem Band  (An Papst Leo X., An Kaiser Carl V., An Friedrich von Sachsen, An  Zwingli, An Erasmus von Rotterdam, An Spalatin...)" von Martin Luther)

Caspar Auila - Wegbegleiter Martin Luthers -  und seine Nachfahren
So sind seit 1971 mit der Familie Gmach, d.h. mit Brigitte Gmach, geb. Netolitzky und ihren 5 Kindern, direkte Nachfahren eines Weggefährten und Freundes Martin Luthers in der evangelischen Gemeinde Kufstein beheimatet. Die Genealogie lässt sich lückenlos belegen und reicht 14 bzw. 15 Generationen zurück. Dieser Urahn namens CASPAR AQUILA hat mehr als 30 Jahre lang im thüringischen Saalfeld an der Saale gelebt und als Anhänger und Mitstreiter von Dr. Martin Luther und Philipp Melanchthon geholfen den evangelischen Glauben zu entwickeln und zu verbreiten. Hier gründete er auch eine über mehrere Generationen bedeutende Familie.

    
Seine Lebensstationen veranschaulichen sehr gut das Leben eines Reformators zur damaligen Zeit: CASPAR AQUILA, geboren am 7. August 1488 in Augsburg als Johann Caspar Adler, gestorben am 12. November 1560 in  Saalfeld. Nach seinem Schulabschluss unternimmt er Reisen in die  Schweiz, nach Frankreich und in die Niederlande und lernt dabei  bedeutende Männer kennen, u. a. Erasmus von Rotterdam. In Bern erlebt er 1509 eine Ketzerhinrichtung. Nach seinen Reisen und seinem Theologiestudium wird er Baccalaureus in Wittenberg, ist als  Feldprediger in Frankreich und den Niederlanden unterwegs. Schließlich übernimmt er 1516 seine erste Pfarrstelle und bekennt sich zur Reformation, heiratet als erster Geistlicher der Gegend und  predigt im  lutherischen Sinne. Dies erregt den Unwillen seines Bischofs in  Augsburg, der ihn in Dillingen gefangen setzen lässt. Die Schwester des  Kaisers erwirkt auf Veranlassung von Augsburger Bürgern die Freilassung.  Nach einem halben Jahr kommt Aquila wieder frei, geht zum Studium nach  Wittenberg und promoviert. In diese Zeit fällt auch der Beginn seiner lebenslangen Freundschaft zu Martin Luther und Philipp Melanchthon. In Wittenberg predigt Aquila in der Schlosskirche, wird Professor für  hebräische Sprache und hilft Martin Luther bei der Übersetzung des Alten  Testaments. 1525 ist er Gast bei Luthers Hochzeit. Auf Luthers Empfehlung wird Aquila Prediger 1529 erster Superintendent der Stadt. Er  setzt das reformatorische Gedankengut Martin Luthers in seiner Gemeinde  um. Dazu gibt es mehrere Kirchenvisitationen (1527, 1529, 1534, 1554).  Aquila schießt sich dem Gefolge des sächsischen Kurfürsten an, als  dieser auf seiner Reise zum Augsburger Reichstag durch Saalfeld kommt.  Hier gibt es für Aquila ein Wiedersehen mit Luther und Melanchthon. 1548  wird über ihn - als Mitherausgeber einer Streitschrift gegen das  sogenannte Augsburger Interim - die Reichsacht verhängt und zu seiner  Verfolgung ein kaiserliches Kopfgeld von 5000 Gulden ausgesetzt.  Daraufhin flieht er zunächst nach Rudolstadt und findet Schutz bei  Katharina Gräfin von Schwarzburg. Bis zu seinem Lebensende ist er noch  als Pfarrer, Superintendent und auch im Konsistorium in Weimar tätig.
    

Recht  interessant ist, dass Frau Gmach und ihre Familie erst vor relativ  kurzer Zeit von ihrem Urahn erfahren haben und auch, wie dies vonstatten  ging. Diese Begebenheiten hat Frau Gmach kurz zusammengefasst:

    
Meine zweite Tochter Sunhild ist Cellistin. Am 10. August 2007 gab sie zusammen mit Musikerkollegen ein Konzert in der Schlosskapelle in Saalfeld. Neben meiner Tochter sangen und spielten Barbara Camenzind, Sopran, Beate Keilhack, Violine, Markus Kluibenschädl, Bass, Kapellmeister Günther Lang, Klavier und Christoph Rösel, Tenor. Die Verbindung der Musiker untereinander kam zustande, weil sie teils in Innsbruck beruflich beschäftigt sind und waren, teils aus beruflichen Gründen nach Thüringen gezogen waren oder in Saalfeld beheimatet sind. Ich selbst (Brigitte Gmach) hatte in Folge eines Treffens der Europäischen Gemeinden mit dem Namen Breitenbach seit 2008 künstlerische und freundschaftliche Kontakte nach Kleinbreitenbach im Ilmkreis, Arnstadt und Ilmenau. 2009 erfuhr ich anläßlich eines Familientreffens von meinem Urahn Caspar Aquila. Nach einem Besuch in Kleinbreitenbach unterbrach ich im Sommer 2010 die Heimfahrt in Saalfeld, um die Kirche zu besuchen. Ich war nämlich der irrtümlichen Meinung, dass das Konzert meiner Tochter 2007 in der Johanniskirche stattgefunden hatte. Nie werde ich den Augenblick vergessen: Es war Mittag. Die Arbeiter hatten in der Kirche gerade ihre lärmenden Renovierungsarbeiten unterbrochen. Auf der Querstraße vor der Kirche spielte ein Harmonikaspieler. In der Kirche entdeckte ich ein Plakat mit dem Namen Caspar Aquila. Die Bronzetafel war noch nicht angebracht. Voll Erstaunen und Begeisterung rief ich aus: "Mit dem bin ich ja verwandt!" Der Mann, der Aufsicht hatte, meinte: "Das müssen Sie unbedingt ins Gästebuch schreiben" - was ich auch tat. Diese Eintragung las später Dr. Werner Aquila aus Mannheim, der sich in vorbildlicher Weise mit der Ahnenforschung der Aquila-Sippe beschäftigt. Dadurch kamen wir miteinander in Kontakt. 2013 organisierte er anlässlich des 525. Geburtstages von Aquila vom 6. - 8. September ein Familientreffen der Aquila-Nachfahren in Saalfeld. Vom 9. Oktober 2010 bis 27. Februar 2011 fand im Stadtmuseum Saalfeld (ehem. Franziskanerkloster) eine Ausstellung statt:Die Reformation in Saalfeld - Caspar Aquila - Wegbegleiter Martin Luthers. Dies war erneut ein Anlaß für Brigitte Gmach und Sunhild Anker, im Januar 2011 Saalfeld zu besuchen, diesmal war schon die nächste Generation dabei, Sunhild's Tochter Leah. 2013 fand gleichzeitig zum Aquila-Nachfahrentreffen am 8. September zum Tag des offenen Denkmals ein Konzert statt, bei dem Sunhild Anker mit Christoph Rösel, Tenor, und Hartmut Meinhardt, Organist in Bad Salzungen, in der Johanniskirche zur Abendmotette musizierten. Damals wurden auch die Weichen für den Aufenthalt Brigitte Gmachs als Türmerin und das Projekt Himmelsleiter gestellt, das während der Jubiläumswoche an der Kirche und zum Denkmaltag 2014 stattfand. Eine Woche lang lebte sie in der Türmerstube der Johanniskirche und hatte in der Kirche etliche Kunstobjekte "Engel" ausgestellt, die jetzt auf verschiedene Kirchen in Thüringen aufgeteilt sind. Im Oktober 2015 las sie in der Stadt-Bibliothek zum ersten Mal aus ihren "Turmgeschichten" und  2016 stellte sie anschließend an die Begehung des neu eingeweihten Lutherweges ihre DVD "Engel, wo bist du?" in Saalfeld vor.




Evang. Pfarrgemeinde Kufstein | Andreas-Hofer-Straße 6 | A-6330 Kufstein | Tel. +43 5372 626 87 | evang.kufstein@kufnet.at

Zurück zum Seiteninhalt